Gemaltes Theater
Es war eine kleine Überraschung inmitten dieses Festivalreigens, denn auf die kleine Bühne unterm Dach trat gestern vormittag keine Puppenspielerin, ja, überhaupt keine Spielerin. Hier trat eine Malerin an, uns ihre Geschichte mit dem Pinsel zu erzählen. Eigentlich aber trat sie auch nicht an, sie wagte sich zu uns vor. Silke Kruse erschien mit höchst skeptischer, mürrischer, beinahe finsterer Mine (die im krassen Widerspruch zu ihrer kunbterbunten Bluse stand), um uns bar jeglicher emphatischer Regung zu erklären, sie werde jetzt ein Märchen malen und es dabei erzählen...
Kruses Märchen ist eine höchst eigenwillige Version von der Entstehung der Welt. Da tauchen plötzlich Steine auf, als verloschene, herabgefallene Sterne. Und wieder Stille...
...wie die Kruse erschien, um als Persönlichkeit sogleich wieder zu verschwinden, so ist es auch mit ihrem Bild. Nacheinander tauchen Dinge und Wesen auf, die für ihren Abgang mit der Hand einfach wieder weggewischt werden für neues. Mit Wischen und Schmieren wird auch das Mädchen Mür lebendig, das im Zentrum steht, und zwar von der Hüfte abwärts felsenfest. Sie war aus einem Stein aufgetaucht, der nun ihr Rock ist. Wenn sie sich dreht und wendet oder beugt, wird eine entsprechend neue Position aus der vorherigen heraus gemalt, ohne dass die alte dabei schon gleich verschwindet. So bekommt das Bild immer wieder einen surrealen Anstrich.
Dieser besondere Farbtupfer, den das Theater PASSt zur Synergura beitrug, zeigt uns gemaltes Figurentheater, und damit, wie aus bildender Kunst eine darstellende wird. Oder anders: Wenn das Theater üblicherweise Bilder schafft, so schafft hier ein Bild das Theater. Dieses Bild lernte dabei zwar nicht laufen, aber in Bewegung geriet es durchaus. Es befand sich geradezu im Fluss...
M.H.
Kritikerinfo Synergura
Erfurt, 15. Juli 2006
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